München

Ein Bürgergutachten zur Planung des Paketpost-Areals in München-Neuhausen hatte sich eindeutig für den Bau der beiden geplanten Hochhäuser mit je rund 155 Meter Höhe ausgesprochen. Gleichzeitig hatten die über 100 Teilnehmer dieser im Auftrag der Stadt München durchgeführten Studie Optimierungsvorschläge zum Masterplan formuliert.

Das Schweizer Architekturbüro Herzog & de Meuron, das im Auftrag der Grundstücks-Eigentümerin, der Büschl-Unternehmensgruppe, den Masterplan erstellt hat, hat jetzt eine Überarbeitung präsentiert. „Wir haben die Wünsche und Anregungen des Bürgergutachtens natürlich sehr ernst genommen, aufgegriffen und in unsere Planung übernommen“, so Ralf Büschl, Beiratsvorsitzender der Büschl-Gruppe.

Eine der wichtigsten Anregungen aus dem Bürgergutachten ist der Wunsch nach mehr Freiraum und mehr ebenerdigen Grün- und Parkflächen. Tenor des Bürgergutachtens war: „Die Dichte ist in Ordnung. Wir wollen lieber höhere Gebäude, so dass mehr Freiraum und weitere grüne Parkflächen entstehen können.“ Genau dies haben die Architekten jetzt in ihrer Weiterentwicklung des Masterplans umgesetzt. Ein neuer Quartierpark direkt vor der denkmalgeschützten Paketposthalle erhöht das Angebot an ebenerdigen Freiflächen signifikant. Das Wechselspiel der vielfältigen, öffentlichen Hallennutzung und der großzügigen, grünen Freifläche steigert die Aufenthaltsqualität des Areals nochmals und bildet einen weiteren Anziehungspunkt für die gesamte Umgebung. Die neuen Frei- und Grünflächen haben zudem einen sehr positiven Einfluss auf die Versickerungsbilanz und das Mikroklima.

Aber auch der ökologische Footprint wird noch nachhaltiger. So wird der bestehende Postturm an der Arnulfstraße erhalten, um graue Energie einzusparen. Gleichzeitig fügt sich ein weiteres Gebäude mit rund 70 m Höhe in Holzhybridbauweise ein, das ausschließlich für geförderten und preisgedämpften Wohnraum vorgesehen ist. Auch in der sogenannten Teppichbebauung sind weitere Gebäude in Holzkonstruktion geplant. Darüberhinaus wird im weiteren Verfahren geprüft, ob und in welchem Umfang Holz als Baumaterial auch bei der Erstellung der beiden 155 m Türme in Frage kommen kann. Das heute weitestgehend versiegelte, von der Post genutzte Gelände, wird mit einer lebendigen Durchmischung von Wohnen, Erleben, Einkaufen, Gastronomie und Arbeiten zum neuen Lebensmittelpunkt.

Zentraler Ausgangspunkt ist die denkmalgeschützte Paketposthalle, die eine vielfältige, öffentliche Nutzung erhält. Dieses Nutzungskonzept wird in einem partizipativen Prozess mit interessierten Bürger*innen und dem Bezirksausschuss unter Beteiligung von Landschaftsarchitekten sowie dem Planungsreferat entwickelt.

Der gesamte Planungsumgriff wird mit Platin die höchstmögliche DGNB Qualifizierung erhalten.

«Wir sind froh,“ so das Schweizer Architektenteam, „dass wir mehr Grünfläche in den Masterplan integrieren können. Der Nachhaltigkeitsgedanke des Gesamtkonzepts wird durch die weiterentwickelte Planung geschärft. Der neue Quartierpark führt zu einer reduzierten Versiegelung und schafft mehr grüne Lebensräume und Biodiversität in der Stadt.»  Zudem werden im weiteren Verfahren drei unterschiedliche Fassadenvarianten sowie eine alternative Erschließung der Hochhäuser möglicherweise auch ohne Schrägaufzüge untersucht.

Auch die Vorstellungen des Bürgergutachtens zu den Themen Mobilität und Energie greift die Planung umfassend auf. Das Paketpostareal wird ein innovatives, nachhaltiges und autoarmes Quartier mit bezahlbarem Wohnraum und vielfältigen Medizin-, Gesundheits- und Sozialeinrichtungen. „Wohnen, leben und arbeiten in fußläufigem Umfeld, das funktioniert hier,“ so Ralf Büschl. „Die beiden Paketposttürme werden für München ein neues Wahrzeichen werden. So wie Laptop und Lederhose zwischenzeitlich ganz fest zusammengehören, gehören ganz bald die Frauenkirche und die Paketposttürme zusammen. Hier entsteht ein großes Stück modernes München,“ so Büschl.